Schropp-Story Teil 25

Vom by Anselm Neft

Über die Besenwirtschaften in Erlenbach-Binswangen

bg-kaeseplatte-weissweinDas Wort „Besen“ ist ein hübsches Teekesselchen, bezeichnet es doch einmal ein nützliches Kehrgerät, dann die praktische Flughilfe von Sportidolen wie Harry Potter, und schließlich auch ein Stahldrahtbündel zum Schlagzeugklopfen. Als ob das noch nicht reichen würde, ist „Besen“ auch noch die Kurzform für „Besenwirtschaft“.

Besen? Was ist da wieder in die reinlichen Schwaben gefahren? Warum reichen ihnen nicht Begriffe wie Gasthaus, Kneipe, Lokal, Pinte, Kaschemme, Taverne oder Bistro? Ganz einfach: „Besen“ ist die Bezeichnung für spezielle, von Winzern und Weinbauern saisonal geöffnete Gastbetriebe, in denen selbsterzeugte Weine ausgeschenkt werden. Zu den lokalen Weinen werden einfache Gerichte serviert. Einen mit Trüffeln gefüllten, vegan ernährten Pfau in molekularer Stubenküken-Stickstoff-Soße wird man auf der Speisekarte eines Besens vergeblich suchen.

In den sechs Besen im schwäbischen Erlenbach-Binswangen werden natürlich Maultaschen gereicht, und traditionelle Besengerichte wie Brätbrot, Kesselfleisch oder die gute, alte Schlachtplatte. Hin und wieder werden auch Zugeständnisse an andere Gegenden der Welt gemacht. So findet sich auf der aktuellen Tageskarte des Weinausschanks Fam. Kerner neben „Ripple mit Kraut“ auch ein weitgereistes „Chili con carne“. Menschen, die lieber Tieren das Essen wegessen, als die Tiere selbst zu essen, haben es im rustikalen Heilbronner Ländle nach wie vor nicht leicht.  Im traditionsreichen Besen „Zum Engel“ beispielsweise gibt es zu  Sauren Nieren und gefüllten Schweinehälsen nur eine leckere Alternative: Kässpätzle. Auch die Winzerstube Löhe, die Besenwirtschaft Weik und der „Goldene Besen“ setzen auf deftige, einfache, preiswerte, meist traditionelle Küche abseits urbaner Bandbreite. Immerhin: Die Homepage des Weinausschanks Schönbrunn verspricht „Leckeres für den fleischlosen Genuss“.

Lecker und fleischlos sind in allen Besen Erlenbach-Binswangens vor allem die Weine. Wer gerne Lemberger, Trollinger oder Riesling trinkt, ist in der Region bestens aufgehoben und findet in jedem Besen interessante Eigenkreationen, wie den „Engel-Red-Sweet“, die Rotweincuveé „Deep Purple“ oder den „Sorgenbrecher“ der Familie Kerner. Wer’s alkoholisch etwas schärfer angehen will, kommt meist mit selbstgebrannten Obstschnäpsen auf seine Kosten. Dem Zurückhaltenden hingegen lachen Weinschorlen und köstliche Traubensäfte.

Wann die Besen jeweils geöffnet haben, erfährt man vor Ort oder online im Besenkalender. Darin finden Sie auch den „Schroppbesen“, den wir nächste Woche gesondert unter die Lupe nehmen.

Lesen Sie das nächste Mal: „Über den Schroppbesen“.

Anselm Neft | Autor

Anselm Neft ist ein 1973 bei Bonn geborener Schriftsteller und Publizist.

www.anselmneft.de