Schropp-Story Teil 24

Vom by Anselm Neft

Über die Weinfeste in Erlenbach-Binswangen

Von 1951 bis 1978 war der Erlenbacher Sängerherbst ein, wenn nicht der Höhepunkt im jährlichen Reigen der Feste. Drei Tage lang führten die altbewährten Zutaten (viele Menschen, Wein und Blasmusik) im Festzelt auf den Sulmtalwiesen zu blendender Laune bei Einheimischen und Auswärtigen. Allerdings blieb der wirtschaftliche Erfolg in den letzten Jahren aus, so dass ein neues Konzept her musste. Theo Mosthaf, der damalige Vorsitzende des Musikvereins Erlenbach e.V., ergriff die Initiative und hob mit anderen Musik- und Weinfreuden das „Original Erlenbacher Weinfest“ aus der Taufe. Anfangs war es gar nicht leicht, andere Ortsvereine, Privatunternehmen und die zahlreichen Gast- und Besenwirte zum Mitmachen zu motivieren. Was neu ist, muss sich erst einmal bewähren. Also trat der Musikverein in finanzielle Vorleistung. Die Risikofreude zahlte sich aus, denn gleich das erste Weinfest vom 19. Bis zum 22. August 1977 übertraf die kühnsten Erwartungen. Statt am Ortsrand standen die Bänke und Buden des Festes nun rund um das Rathaus. Statt drei Tage lang, feierte man gleich vier, und am Sonntag gingen manchen Ständen bereits die Waren aus, so dass schleunigst nachgeliefert werden musste.

Viel hat sich in den letzten 37 Jahren an dem Weinfest eigentlich nicht geändert. Noch immer stammt alles direkt aus der Region: Leckere Weine vom Kayberg, Spezialitäten wie Zwiebel- und Peterlingkuchen (mit Petersilie und Schmand) aus den zwei historischen Dorfbackhäusern sowie Musik von lokalen Blaskapellen, Gesangsvereinen und Chören. Die Änderungen im Laufe der Jahre betreffen lediglich die Quantität. Längst ist das Fest über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt und zieht jährlich zum dritten Augustwochenende Zehntausende an. Auch die Auswahl an Weinen hat sich vergrößert. 2013 wurden 150 verschiedene geistreiche Tropfen feilgeboten. Wer sich da einen seriösen Überblick verschaffen will, braucht gute Kondition.

Als ob diese bacchantische Orgie für einen kleinen Ort noch nicht genug wäre, lassen sich die Binswanger unter dem Kommando ihres Sportvereins „TSV Binswangen“ nicht lumpen und kontern seit 1978 Jahr für Jahr bereits im Juli mit „Rund um den Wein“, einem Weinfest bei der Sport- und Festhalle am Flüsschen Sulm – natürlich auch vier Tage lang. Niemand soll den Binswangern nachsagen, sie würden schneller schlapp machen.

Lesen Sie das nächste Mal: „Über die Besenwirtschaften in Erlenbach-Binswangen“.

Anselm Neft | Autor

Anselm Neft ist ein 1973 bei Bonn geborener Schriftsteller und Publizist.

www.anselmneft.de